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[Video] Beeinflussen uns Farben wirklich?

Vocab level: B2
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Welche Wirkung haben Farben?
An populärwissenschaftlichen Tipps, wie sie uns beeinflussen, mangelt es jedenfalls nicht.
Rot wirkt angeblich aktivierend, Blau soll Vertrauen schaffen und Grün entspannen.
Kann man die Wirkung von Farben auch wissenschaftlich beweisen?
Aber was sind Farben überhaupt?
Das menschliche Auge kann Millionen von ihnen unterscheiden und doch ist keine wirklich greifbar.
Denn objektiv gesehen existieren Farben nur als Wellenlängen.
Farben sind ein kleiner Teil der elektromagnetischen Strahlung des Lichts, so wie Röntgenstrahlen, UV-Strahlen oder Radiowellen.
Das für uns sichtbare Licht liegt ungefähr zwischen 400 und 780 Nanometern.
Hier sehen wir seine Strahlung in Form von Farbe.
All diese Wellenlängen zusammen ergeben Weiß.
Wie bekommt man hier nun eine bestimmte Farbe heraus?
Das geht so.
Weißes Licht trifft auf einen Gegenstand.
Ein Teil wird von ihm verschluckt, der andere reflektiert.
Daher erreichen nicht alle Wellenlängen unsere Augen.
Das Gehirn interpretiert den Lichtreiz und so erkennen wir, die Tomate ist rot.
Farben stehen also erst im Kopf.
Aber können sie uns deshalb auch beeinflussen?
Birgit Weller ist Produktdesignerin.
Sie beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit Farben und ihrer Wirkung.
Überall gibt es verschiedene Farben, die eine bestimmte Bedeutung haben, auch liturgische Bedeutungen haben.
Dementsprechend ist es wichtig, dass man da sehr sensibel mit dem Thema Farbe umgeht und sich in der Komplexität, in der Farbgestaltung damit auseinandersetzt, was wirkt wie.
Ein Männerduschgel in Rot zum Beispiel soll die königliche Symbolik von Macht und Stärke aufgreifen.
Der Nutzer soll sich wertig fühlen.
Dieser gelbe Haarlack erinnert mit seiner Farbe ganz bewusst an einen beliebten deutschen Kleber und vermittelt, das hält.
Und Grün ist mittlerweile alles, was natürlich, rein und unverdorben sein will.
Farben transportieren Image. Funktioniert das?
Wenn Sie ein junges Mädchen fragen, welchen Rasierer sie kaufen würde, den dunkelblauen oder den rosanen, sie würde immer zum rosanen greifen.
Und das ist eigentlich genau der Aspekt, wo man sagt, die Leistung des Produktes ist identisch, die Farbe manipuliert uns und führt zu einer bestimmten Wirkung und zu einem Zugehörigkeitsgefühl.
Das kann sich aber von Kultur zu Kultur unterscheiden.
Denn wie Farben wirken, ist zum Teil erlernt.
Bei Rot und Grün aber scheint die Wirkung evolutionär vorgegeben zu sein.
Heiko Hecht ist Psychologe und hat das in einem Experiment untersucht.
Wir haben immer denselben Wein genommen und dann einmal im roten Licht verkosten lassen von einer großen Gruppe Probanden und einmal im grünen Licht von einer anderen Gruppe Probanden.
Und es stellte sich heraus, dass es gewaltige Effekte gab.
Die im grünen Licht empfanden den Wein als sauer und nicht so attraktiv.
Während die Gruppen mit dem roten Licht den Wein als ansprechend, lieblich und lecker beschrieben und sogar bereit waren, einen Euro mehr für die Flasche zu bezahlen.
Rote Farbe im Essen wird mit Reife assoziiert und versüßt uns den Geschmack.
Dass aber eine rote Beleuchtung denselben Effekt auslöst, das war neu.
Wirkt die rote Farbe auch auf die Leistungsfähigkeit?
Das wollte Heiko Hecht in einem weiteren Experiment herausfinden.
Versuchspersonen wurden zufällig in verschiedene Farbumgebungen gesetzt und mussten exakt die gleichen Mathe-, Sprach- und Knobelaufgaben lösen.
Doch alle schnitten gleich gut ab.
Hier hatte die Farbe Rot wohl keinen Einfluss.
Warum aber dann beim Weinexperiment?
Teilweise scheint das über die Emotionen vermittelt zu sein, die relativ kurzfristig agiert.
Das heißt, hier haben wir eine kurzfristige Wirkung, plötzlich wird alles rot und eine entsprechende emotionale Befindlichkeit stellt sich ein, die dann auf den Wein sozusagen sich überträgt.
Wenn ich eine Schülerin vor einen Test setze, den sie eine Stunde lang zu absolvieren hat und die ganze Zeit in einer rot beleuchteten Kabine sitzt,
dann adaptiert unser Wahrnehmungssystem relativ schnell und man merkt die rote Farbe gar nicht mehr.
Ob Farben also auf uns wirken, hängt von der Situation ab.
Kurzfristig sprechen Farben unsere Gefühle an.
Aber nach einer Weile passt sich das Gehirn der Umgebung an und blendet Farben sogar aus.
Und das alles passiert ganz unbewusst.