Angst
Vocab level: B2
Or you can practice other free lessons
Next lesson:
Farbenrätsel
Previous lesson:
Was sollte man beim Telefonieren beachten
So, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zu einem neuen Vortrag aus der Reihe „Die Welt der Emotionen".
Nachdem Sie sich in der letzten Woche mit dem Thema „Liebe" beschäftigt haben, hat man mich eingeladen, heute Abend über das Thema „Angst" zu sprechen.
Das ist natürlich ein echter Kontrast.
Und schon stehe ich vor Ihnen und spüre sie ... meine Angst.
Angst, zu versagen, Angst, Sie zu langweilen oder nicht die richtigen Worte zu finden.
Damit Sie mich etwas besser kennenlernen, stelle ich mich Ihnen kurz vor: Mein Name ist Torben Stegmann,
ich bin Doktor der Psychologie und arbeite am Klinikum Lübeck.
Nun erwarten Sie vielleicht einen Vortrag über Angst als Krankheit, wie sie sich heilen lässt oder Ähnliches.
Angst ist jedoch erst einmal nichts, was wir behandeln müssen.
Es ist ein Zustand unserer Seele und unseres Körpers, eine der ältesten Emotionen, die nicht nur wir Menschen kennen.
Angst ist eine ganz normale Stressreaktion.
Sie mit Pillen abzustellen wäre keine gute Idee. Warum?
Angst schützt und warnt uns vor Gefahren.
Sie sorgt im Körper dafür, dass wir schnell vor einer Gefahr fliehen können oder dass wir die Gefahr vermeiden.
Auf den Stress in Gefahrensituationen reagiert unser Körper auf zwei Arten:
Typ 1: Wenn wir schnell weglaufen wollen, wenn wir also vor der Gefahr fliehen, dann schlägt unser Herz schneller als normal.
Die Augen sind weit geöffnet, wir können mehr sehen.
Die Muskeln sind bereit zum Weglaufen.
Typ 2: Manchmal kann man aber nicht mehr weglaufen.
Dann verstecken wir uns vor der Gefahr und vermeiden sie so.
Dann werden wir ganz klein, der Körper bewegt sich nicht, das Herz schlägt langsamer.
Aber die Muskeln bleiben gespannt.
Meist geht die Gefahr vorüber wie die Katze an der Maus.
Manchmal steigt die Angst aber noch weiter an.
Aus Angst wird Panik.
Die Angst bleibt dann aber nicht allein im Körper, nein, sie wandert auch in unseren Kopf.
So, wie das Herz dann rast, so laufen auch alle Gedanken wild durcheinander.
In so einem Zustand kann man nicht mehr ruhig überlegen, wie man aus der Gefahr herauskommen könnte.
Angst ist aber im Alltag eine ganz normale Reaktion auf Situationen, die uns unsicher und gefährlich scheinen.
Das können Prüfungen sein, aber auch der erste Tag in der neuen Firma oder der Badesee, den man nicht kennt.
Angst bringt auch immer ihre kleine Schwester mit: die Vorsicht.
Der Mensch kann vorausdenken und sich bei unklaren Situationen überlegen, wie er handeln sollte.
Er kann sein Handeln planen.
Wenn wir keine Angst mehr hätten, käme es zu viel mehr Unfällen und Schäden, die wir aber durch die Vorsicht vermeiden.
Heute muss der Mensch meistens keine Angst mehr vor gefährlichen Tieren haben.
Die Gefahren, also die Basis für die Angst, haben sich in Tausenden von Jahren geändert.
Und sie verändern sich im Verlauf eines Lebens:
Kinder haben Angst in der Nacht, wenn die Dinge anders aussehen als am Tag.
Junge Erwachsene fürchten sich mehr davor, zu versagen oder die eigenen Ziele nicht zu erreichen.
Älteren machen Krankheiten und Verluste Angst und alte Menschen haben oft Angst vor dem Tod.
Das sind alles normale Angstobjekte in der heutigen Zeit.
Nur, wenn der Mensch in ständiger Angst lebt, ohne einen sichtbaren Grund,
wenn eine Person Panikattacken hat oder generell Angst vor der Zukunft zeigt, dann kommen wir in den Bereich, in dem der Mensch zum Patienten wird.
Erst dann wird eine Behandlung nötig.
- Next exercise: Farbenrätsel
- Previous exercise: Was sollte man beim Telefonieren beachten