Wie wir mehr aus unserem Geld machen können
Vocab level: C1
Or you can practice other free lessons
Next lesson:
Forscher erkunden die Antarktis
Previous lesson:
Urlaub im Weltraum
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
in der Regel erscheint Geld ganz handfest in Form von Münzen und Banknoten.
Wir sprachen mit der Geldexpertin Professor Anneliese Schneider über ein allbekanntes und doch wenig verstandenes Phänomen.
„Geld regiert die Welt", sagt der Volksmund.
Frau Professor Schneider, was ist Geld für ein Medium?
Geld ist das Medium, mit dem wir unsere Ideen verwirklichen und unsere sozialen Prozesse ermöglichen.
Es regelt alle wirtschaftlichen Beziehungen der Menschen untereinander.
Geld ist ein Kommunikationssystem, das effektiv funktioniert und das viele Entwicklungen erst möglich gemacht hat.
Es ist nicht nur ein Tauschinstrument, denn vor allem die Geldanlage gestaltet unsere Realität.
Von einem bestimmten Zeitpunkt in der Geschichte an ist das Geld, über seine Tauschfunktion hinaus, selbst zur begehrtesten Ware geworden.
Genau diese Gier hat dem Geld seine Macht gegeben.
Das Geld hat uns aber auch eine große Freiheit gebracht;
es ermöglicht zum Beispiel die heute weltweite Arbeitsteilung.
Nur hat Geld inzwischen seine Grenzen überschritten.
Deshalb müssen wir versuchen,
diese Übermacht zu zahmen, sie unter Kontrolle zu bekommen,
ohne die positive Seite des Geldes zu verlieren.
Das Geld wurde erst zur Ware, als ihm ein Preis beigefügt wurde.
Dieser Preis ist der Zins und der Ertrag, den man aus dem Geld erwartet.
Das ist die eine Seite der Medaille.
Die andere ist zugleich der Punkt, wo der eine Mensch vom anderen frei geworden ist.
Früher waren die Menschen auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen,
man half sich wechselseitig mit Lebensmitteln aus, auch beim Hausbau oder wenn der Nachbar in Not war.
Erst als diese Verpflichtung zur Gegenseitigkeit keine Realität mehr war, entfiel der Zwang zur Hilfe und es entstand dadurch Freiheit.
Durch die Zusatzprämie des Zinses konnte man sich aus der persönlichen Verpflichtung lösen,
konkret heißt das, demjenigen wieder zu helfen, der einem geholfen hatte.
Dies ist ein wesentlicher Grund für die Anonymität und Unverbindlichkeit, von denen das Geldsystem heute beherrscht wird.
Wir müssen verstehen, wie man Geld verändern kann,
um es zu einem idealen Tauschmittel, zu einem idealen Wertmaßstab werden zu lassen.
Kurz und gut: Wir müssen das Geld so verändern, dass es uns dient!
Ist Geld ein elegantes Machtinstrument, weil es so undurchschaubar ist?
Das Geldsystem selbst ist nicht undurchschaubar,
wir sehen nur meistens nicht genau hin.
Zum Machtinstrument wird Geld, wenn man es intelligent einsetzt - ob zum Guten oder zum Schlechten.
Wir müssen das Wissen darüber, wie man Geld sinnvoll einsetzt, vertiefen und verbreiten.
Je mehr Geld ich habe und Ertrag bringend anlegen kann, umso mehr Menschen lasse ich für mich arbeiten.
Für jeden Ertrag, den ich bekomme, müssen andere Menschen arbeiten.
Ob in meiner nächsten Umgebung oder auf der anderen Seite der Welt.
Die Umverteilung wird durch unser Geld meisterhaft verschleiert.
Die meisten Menschen wissen nicht, dass in jedem Preis Zinsen enthalten sind.
Denn jeder Unternehmer muss die Zinsen, die er der Bank bezahlt, in den Preis hineinkalkulieren.
Im Durchschnitt aller Preise, die man zum Leben braucht, sind etwa 40 Prozent Zinsen enthalten.
Man denkt dann: Weil wir alle diese einkalkulierten Zinsen zahlen,
aber auf der anderen Seite auch Zinsen bekommen, gleicht sich das aus.
Tatsächlich zahlen aber 80 Prozent der Menschen mehr Zinsen als sie zurück bekommen,
bei zehn Prozent der deutschen Bevölkerung ist es etwa ausgeglichen
und die vermögenden 10 Prozent bekommen die Erträge, die die ersten 80 Prozent zu viel gezahlt haben.
Was müsste man denn am Geld verändern?
Zuerst die Einstellung.
Wichtig ist zu begreifen, dass Geld „nur" eine Vereinbarung ist.
Dieser Geldschein hier hat den Wert von 100 Euro, weil alle Beteiligten dies akzeptieren.
In Wirklichkeit ist dieses Stückchen Papier keine 5 Cent wert.
Das größte Problem ist, dass wir unser Geldsystem als so selbstverständlich hinnehmen, dass keiner auf die Idee kommt, dass man es verändern kann.
Frau Professor Schneider, ich danke Ihnen für dieses Gespräch
- Next exercise: Forscher erkunden die Antarktis
- Previous exercise: Urlaub im Weltraum